Am Montag, einen Tag nach dem Barcamp-Weekend hier in Hamburg, war ich auf der ZEIT WISSEN Zukunftswerkstatt. Thema: “Digitalisierung des Alltags – Mehrwert oder Zeitverschwendung?”
Unser Privatleben wird bestimmt von der Digitalisierung. Wohnungen, Jobs, sogar Partner werden heute oft über das Internet gesucht – und gefunden. Wir lassen Mikrochips unsere Gesundheit kontrollieren. Und wir entspannen immer häufiger mit Spielekonsolen wie der Wii. Und wie wird erst unsere Zukunft aussehen? Müssen wir überhaupt noch aus dem Haus gehen, um Freunde zu treffen oder Sport zu treiben, um neue Menschen, um Partner kennenzulernen – kurz: um etwas zu erleben? Reicht es nicht, wenn Computer unser tägliches Leben und Erleben erschaffen? Bietet die Digitalisierung nicht viel mehr Verlockungen und weniger Hindernisse als das echte Leben? Geht uns mit dieser möglichen Entwicklung etwas Entscheidendes verloren?
Leider wurden im Folgenden dann dann nur die typischen Argumente gegen die Digitalisierung, sprich das Internet genannt.
Das Internet ist böse, voller Porno, es verblödet, macht einsam, führt zur Sucht und macht alles nur noch viel komplizierter. Kontakte sind nicht echt. Man muss sich sehen, damit es eine Freundschaft (im wissenschaftlichen Sinn) ist. Somit ist die Kommunikation über dieses Medium eben auch nicht echt.
Einzig Professor Dr. Gundolf S. Freyermuth war da schon viel weiter. Er eröffnete mit einer provokanten Frage. Was wäre wenn man zu Beginn der Industrialisierung vor den Bauern gefragt hätte: “Industrialisierung – Mehrwert oder Zeitverschwendung?”. Anschließend erklärte er sehr schön den die Entwicklung vom Ackerbau über die Industrialisierung bis eben jetzt zum digitalen Zeitalter. Aber es wollte wohl keiner die Chancen sehen. Schade.
Das Interessante für mich war auch, direkt nach 3 Tagen Barcamp in Hamburg, die Warmup-Party schließe ich mal mit ein, wieder an einer konventionellen Veranstaltung teilzunehmen.
Mitten in der Diskussion wurde mir plötzlich klar, dass nach der Veranstaltung wohl alles vorbei sei. Keine anschließenden Diskussionen, keine Blogeinträge mit Meinungen. Schluss, vorbei. Ebenso gibt es keine Möglichkeit, nachträglich mit dem einen oder anderen in Kontakt zu treten oder einfach via Twitter über ihn auf dem Laufenden zu bleiben.
Zwischen den “Experten” und dem Publikum war eine unsichtbare Mauer. Man konnte die Experten zwar ansprechen, ich habe selbst einige Worte mit Professor Freyermuth gewechselt, aber so eine richtige Diskussion zwischen den ihnen und Publikum kam nicht auf. Die Stimmung auf einem Barcamp ist da wesentlich offener. Vielleicht liegt das ja daran, dass die dortigen Besucher es durch Blogs oder Microblogs viel mehr gewohnt sind unmittelbar zu kommunizieren.
Fazit: Das können wir besser. Für das nächste Barcamp reiche ich hiermit schon mal eine Session ein: “Digitalisierung des Alltags – Mehrwert oder Zeitverschwendung?”. Mal sehen was wir daraus machen.
Tipp: Die ZEIT Zukunftswerkstatt einfach mal als kurzes Themencamp durchführen. Warum sollte man das Experiment nicht wagen?
