Internet Zensur

Kurz zurück zum vorherigen Artikel. Inzwischen haben über 36.000 Menschen die Petition gegen die Internetsperre gezeichnet und es werde pro Minute ca. 12 mehr. Auch die Presse hat inzwischen ausführlich berichtet (Spiegel, Zeit)

Und was macht der Betreiber( Deutscher Bundestag?) jetzt? Er sperrt das Forum zur Petition gegen die Internetsperre.

… Leider werden in diesem Forum die in der von Ihnen akzeptierten Richtlinie enthaltenen Regeln immer häufiger missachtet. Die Verwendung von Links bzw. URLs  –  auch in versteckter Form  –  ist nicht erlaubt. …

Ok, wenn das so in den Regeln steht, muss man sich wohl daran halten. Obwohl das Internet ja gerade von den Links lebt. Was anschließend kommt passt dann hervorragend zum Thema Zensur:

… Das Moderatoren-Team hat zudem beschlossen, keine weiteren Themen in diesem Forum zuzulassen. Diese Maßnahme dient dazu, das Forum nicht noch unübersichtlicher werden zu lassen. Neu eröffnete Themen werden daher nicht mehr nur geschlossen, sondern gelöscht. …

So so. Keine neuen Themen mehr, das wird zu unübersichtlich. Da wird in einer Diskussion einfach mal gesagt: Stop. Ende. Zu viele Argumente. Ruhe jetzt.

Für wie dumm wollen die einen eigentlich noch verkaufen? Oder haben die etablierten Politiker einfach Angst vor dem Internet, jetzt wo sich dort jeder zu Wort melden kann?

Politik und Internet

Gestern haben wir auf dem Politcamp Berlin noch über Politik, Internet-Zensur und Social Media diskutiert. Heute dann eine beeindruckende Vorführung in der Realität.

Gegen 12:30 Uhr habe ich per Twitter von einer Online Petition gegen die von Ursula von der Leyen, aka zensursula, geplanten Internetsperre gehört: „… wow 640 Mitzeichner in kürzester Zeit… mehr http://tinyurl.com/dceu73“. Dann ging es richtig los. Um 14:00 Uhr waren es über 2500 Unterzeichnungen und der Server war stark überlastet. Gegen 14:30 meldete sich dann, ebenfalls per Twitter die Presse: „Wir würden gerne Franziska Heine interviewen, die Initiatorin der Petition zu Netzsperren. Hat jemand nen Kontakt zu ihr? Gerne per DM.“ Jetzt, 14:31 Uhr, liegt die Zahl der Unterzeichner bei 3136.

Schon beeindruckend. Ich bin gespannt wie das weiter geht. Es sind ja gerade mal 3 Stunden vergangen.

Datenklau …

… wenn auch diesmal nur im Kleinen.

Die junge Frau neben mir im Bus telefonierte die ganze Zeit mit ihrer Freudin. Beziehungsstress: “ … ich bin dermaßen enttäuscht …. Arschloch …. nicht mal aussprechen wollte er sich mit mir  …. ich kann mich in Hamburg nicht mehr sehen lassen … das Schlimmste ist, dass er meine Persönlichkeit verletzt hat … Gemeinheit … “ Also das ganze Programm, wobei es der Frau egal war, dass der halbe Bus mithörte.

Nach weiteren fünf Minuten bekam ich dann auch noch mit, was der Auslöser des ganzen Schlamassel war: Sie hatte ihn erwischt, als er mit ihrem Facebook Account unterwegs war. Er kommunizierte dort fleissig, immer unter ihrem Namen. Das ging angeblich schon ein, zwei Monate so. Was der Typ sonst alles unter ihrem Account gemacht hat, weiß ich nicht. Da sie aber vorher meinte, sie könne sich in Hamburg nicht mehr sehen lassen, muss er ja Einiges bewegt haben. Und das auch noch recht geschickt, denn sie hatte ja nichts gemerkt. Wenigstens nicht direkt, dafür aber wohl umso mehr indirekt.

So kann’s kommen. Die Identität des Gegenübers ist in Social Networks eben nicht so einfach überprüfbar wie im echten Leben.

Digitalisierung des Alltags – Mehrwert oder Zeitverschwendung?

Am Montag, einen Tag nach dem Barcamp-Weekend hier in Hamburg, war ich auf der  ZEIT WISSEN Zukunftswerkstatt. Thema: „Digitalisierung des Alltags – Mehrwert oder Zeitverschwendung?“

Unser Privatleben wird bestimmt von der Digitalisierung. Wohnungen, Jobs, sogar Partner werden heute oft über das Internet gesucht – und gefunden. Wir lassen Mikrochips unsere Gesundheit kontrollieren. Und wir entspannen immer häufiger mit Spielekonsolen wie der Wii. Und wie wird erst unsere Zukunft aussehen? Müssen wir überhaupt noch aus dem Haus gehen, um Freunde zu treffen oder Sport zu treiben, um neue Menschen, um Partner kennenzulernen – kurz: um etwas zu erleben? Reicht es nicht, wenn Computer unser tägliches Leben und Erleben erschaffen? Bietet die Digitalisierung nicht viel mehr Verlockungen und weniger Hindernisse als das echte Leben? Geht uns mit dieser möglichen Entwicklung etwas Entscheidendes verloren? 

Leider wurden im Folgenden dann dann nur die typischen Argumente gegen die Digitalisierung, sprich das Internet genannt.

Das Internet ist böse, voller Porno, es verblödet, macht einsam, führt zur Sucht und macht alles nur noch viel komplizierter. Kontakte sind nicht echt. Man muss sich sehen, damit es eine Freundschaft (im wissenschaftlichen Sinn) ist. Somit ist die Kommunikation über dieses Medium eben auch nicht echt. 

Einzig Professor Dr. Gundolf S. Freyermuth war da schon viel weiter. Er eröffnete mit einer provokanten Frage. Was wäre wenn man zu  Beginn der Industrialisierung vor den Bauern gefragt hätte: „Industrialisierung – Mehrwert oder Zeitverschwendung?“. Anschließend erklärte er sehr schön den die Entwicklung vom Ackerbau über die Industrialisierung bis eben jetzt zum digitalen Zeitalter. Aber es wollte wohl keiner die Chancen sehen. Schade. 

Das Interessante für mich war auch, direkt nach 3 Tagen Barcamp in Hamburg, die Warmup-Party schließe ich mal mit ein, wieder an einer konventionellen Veranstaltung teilzunehmen. 

Mitten in der Diskussion wurde mir plötzlich klar, dass nach der Veranstaltung wohl alles vorbei sei. Keine anschließenden Diskussionen, keine Blogeinträge mit Meinungen. Schluss, vorbei. Ebenso gibt es keine Möglichkeit, nachträglich mit dem einen oder anderen in Kontakt zu treten oder einfach via Twitter über ihn auf dem Laufenden zu bleiben. 

Zwischen den „Experten“ und dem Publikum war eine unsichtbare Mauer. Man konnte die Experten zwar ansprechen, ich habe selbst einige Worte mit Professor Freyermuth gewechselt, aber so eine richtige Diskussion zwischen den ihnen und Publikum kam nicht auf. Die Stimmung auf einem Barcamp ist da wesentlich offener. Vielleicht liegt das ja daran, dass die dortigen Besucher es durch Blogs oder Microblogs viel mehr gewohnt sind unmittelbar zu kommunizieren. 

Fazit: Das können wir besser. Für das nächste Barcamp reiche ich hiermit schon mal eine Session ein: „Digitalisierung des Alltags – Mehrwert oder Zeitverschwendung?“. Mal sehen was wir daraus machen.

Tipp: Die ZEIT Zukunftswerkstatt einfach mal als kurzes Themencamp durchführen. Warum sollte man das Experiment nicht wagen?

Barcamp Hamburg

Der plötzliche Wintereinbruch sorgte dafür, dass die Temperatur beim zweiten Hamburger Barcamp deutlich 30 Grad unter der des ersten Camps im Sommer 07 lag. Allerdings nur Draußen, in den Räumen von OTTO wurde wie gewohnt heiß diskutiert, genetzwerkt und exzellent gespeist. Fast schon zu gut, meinten einige. Die Wahl zwischen mindestens sechs Nachspeisen, von denen eine besser als die andere aussah, lenkte schon mal etwas vom eigentlichen Geschehen ab. Andererseits: Es gibt deutlich Schlimmeres.

Bei den Sessions bin ich diesmal anders vorgegangen. Ich war bevorzugt bei Themen, die nicht zu meinen Fachgebiet gehören. „Hat Print eine Zukunft“ und „Journalistisches Crowdsourcing“ fand ich sehr anregend. Diese Vielfalt bieten auch wohl nur Barcamps. Mir hat’s gefallen und auch was gebracht, mal über den Tellerrand zu gucken.

Spannend für mich war die Erkenntnis, dass das Barcamp Format wohl unabhängig von der Umgebung funktioniert. Das erste Hamburger Barcamp mit Garagen-Feeling, Berlin 08 kan stylish daher, das CommunityCamp 08 im Universitäts-Look und jedes Mal hat es funktioniert. Starkes Format, das BarCamp.

Links: Barcamp Hamburg, FotosTwitter

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